L I E B E


FOCUS-ARTIKEL
über die Liebe   .  



Gedanken über die Liebe



Liebesverse


Geschichte über Liebe und Freundschaft

Let me not to the marriage of true minds
Admit impediments, love is not love
Which alters when it alteration finds,
Or bends with the remover to remove

Oh no! It is an ever-fixéd mark
That looks on tempests and is never shaken;
It is the star to every wand'ring barque,
Whose worth unknown, although it's height be taken.

Love's not Time's fool, though rosy lips and cheeks,
Within his banding sickle's compass come,
Love alters not with his brief hours and weeks,
But bears it out even to the edge of doom:

If this be error and upon me proved,
I never writ, nor no man ever loved.

        (Shakespeare's Sonett CXVI)

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Was ist Liebe?

Philosophische Annäherung an ein großes Gefühl.
Bleibt uns die Liebe im 3. Jahrtausend erhalten?
(FOCUS Nr.52, 12/2000))

Ihre Herkunft war so rätselhaft wie ihr Wesen Dämonisch schlug sie die Menschen mit Blindheit, als alles besiegende Himmelsmacht triumphierte sie über den Tod. Wenn sie nahte, begannen Herzen zu pochen und färbten sich Wangen rot. Abermillionen vergossen ihretwegen Tränen, andere machte der starke Affekt zu Mördern. Die Liebe kann so traurig sein wie ein Lied von Franz Schubert, aber auch jubilieren wie eine Nachtigall

Bye-bye love? Jetzt scheint es sie erwischt zu haben Zumindest aus den Palästen von Prominenz und Geldadel erreichen das Lesevolk neuerdings paradigmatische Hiobsbotschaften am lautenden Band. Einstige Traumhochzeiten kehren allerorten als rosenkriegerische Scheidungsdramen wieder. Gesellschallswis-senschaftler arbeiten urplötzlich am großen „Schwarzbuch der Liebe", Nachrufe und Essays „zur Lage der Liebe" sind zur Alltagspredigt geworden. Ehrenrettungen des alten Gefühls sind allenfalls noch in Feuilletons zu finden, wenn Kritiker Filme besprechen, die ohne ein geschöntes Boy-meets-Girl-Schema offenbar nicht auskommen. Im PR-Heft für seinen Film „Der Krieger und die Kaiserin" erklärt „Lola"-Regisseur Tom Tykwer routiniert, Liebe sei das Einzige, das „unsere inneren Wunden heilen kann. Ihre unglaubliche Potenz ist einfach toll."

Trotz solcher Pflichtübungen scheint „Liebe" ein welkes Wort aus alter Zeit zu werden. Sollten wir etwa im Angesicht des entfesselten Sexus (täglich finden auf der Erde 120 Millionen Geschlechtsakte statt) den Sinn für jenes intime Gefühl dauernden Füreinander-Bestimmt-seins zweier Menschen verloren haben?

Ist nach der pornokratischen Attacke auf die Intimität, durch den Voyeurismus der Container-Liebe á la Jenny Elvers und „Big-Brother "-Alex, die starke Idee einer „sternge-wollten" (Ludwig Klages) Glücksbegegnung zweier Individuen heimlich desertiert? Reduziert sich die Nachfrage nach dem einstigen Seelenphänomen auf das SMS-Kürzel „Lidu-mino", mit dem Pärchen sich heute per Handy ironisch ihrer Beziehung versichern?

Liebesgöttin Aphrodite hätte wohl Ursache, mit ihrem Schicksal zu hadern. Läse sie die Behauptung des nordamerikanischen Literaturwissenschaftlers William Gass, kein Wort auf Erden sei so bankrott wie „Liebe", würde ihr gewiss eine Träne der Empörung über das Marmornäschen rinnen.


DIOTIMA SPRICHT:

„Alle Menschen tragen 'Zeugungsstoff in sich, körperlichensowie geistigen, und wenn wir zu einem gewissen Alter gelangt sind, so strebt unsere Natur zu erzeugen. Im Häßlichen aber vermag sie nicht zu erzeugen, wohl aber im Schönen. Zeugung nämlich ist die Vereinigung des Mannes und Weibes. Es ist dies aber ein göttlicher Akt"

Erotische Spurensuche.
Linguisten geben an, dass „lieben" etymologisch auf die indoeuropäische Wurzel lubh = „begehren" verweist. Sich als Beziehungspartner zu jenem maienhaften Gemütszustand zu bekennen, macht auch heute niemandem Probleme. Das evidente Glück wechselseitiger Verliebtheit ist unproblematisch, es drängt sogar nach Öffentlichkeit - wie nicht zuletzt entsprechende Auftritte unserer Celebritys erkennen lassen.

Doch expliziten Nachfragen, ob Liebe im Spiel sei, weichen meist selbst die wortgewaltigsten Prominenten instinktsicher aus. Verteidigungsminister Rudof Scharping, Dauer-Händchen-Halter seiner Gräfin Pilati-Borg-greve, gesteht gern, „glücklich", „selig" oder „beflügelt" zu sein, während die prominente Scheidungsanwältin allenfalls kundtut: „Ich schätze Rudolf, wie ich noch keinen Mann geschätzt habe." Den Gebrauch des emotionalen Megabegriffs indes behält man sich offenbar vor - für intimere Stunden oder für weitere Lektionen der eigenen Biografie.

Welche Horizonte das Five-Letter-Wort aufreißt, machte auch die frisch gebackene Fred-Kogel-Geliebte Yasmina Filali klar, als sich ein Zeitschrittenreporter bei ihr erkundigen wollte, ob's große Liebe sei. „Das kann ich noch nicht sagen", kam die Antwort, „ich glaube, dass ich erst am Ende meines Lebens erkennen werde, wer meine größte Liebe und was mein größter Fehler war."

Franziska van Almsicks Freund Stefan Kretzschmar formulierte in vergleichbarer Situation: „Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob ich weiß, was Liebe ist." Dann resümierte der Magdeburger Handballer immerhin, dass es sich bei dem Ausdruck mit Sicherheit „um ein verdammt großes Wort" handle.

Die Dichter sind schuld. Die philosophische Tradition instrumentalisierte mindestens drei Termini, um dem Phänomen beizukommen. Im griechischen Trio „eros", „philia" und „agape" waren die sinnliche, die freundschaftliche und die karitativ-göttliche Dimension zwar gut katalogisiert. Unübersichtlich blieb die Sache aber dennoch, zumal bald auch noch der Begriff „Sex" hinzutrat.

Diese „Nachlässigkeit der Sprache" (Sig-mund Freud) scheint dem proteisch-flackern-den Wesen des Sujets immerhin zu entsprechen. „Dauernd nimmt Amor zu oder ab", erkannte der mittelalterliche Autor Andreas Capellanus um 1180 in seiner dreibändigen Abhandlung zum Thema. Auch seine berühmte Minneregel: „ neue Liebe verjagt die alte", hebt auf eine unstet-flüchtige Substanz ab, deren

Spiel bestenfalls mit Essayismus, Anekdoten, Fallbeispielen oder Sentenzen zu erfassen ist.

Kollege Paul Valery (1871-1945) versuchte die Bestimmmung nach der Logik des Rezepts. Seine „Prisen "-Mischung aus diversen Zutaten sieht u. a. ein Baby, Eroberer, Narren, Idolanbeter, Bildhauer, Hypnotisierte - und eine „Schlangenumschlingung" vor ...

Dem Wesen der Liebe kommt man nicht nah. Alles, schrieb „Mann ohne Eigenschaften"-Autor Robert Musil 1930, läuft auf die Frage hinaus, ob es nicht auch hier „entsprechend dem Gabeligsein der Gabeln" ein Haupterlebnis gebe, also „etwas Liebeliges, Liebseiendes und Liebesartiges". Musils resignierte Antwort: „Die Liebe ist kein Gegenstand sinnlicher Erkenntnis, daß sie mit einem Blick, oder denn auch mit einem Gefühl, zu erfassen wäre."

Auch heutige Gelehrte können sich in ihrem interdisziplinären Wettkampf nicht recht einigen, ob unser Phänomen zuletzt als Relikt tierischer Brutpflege zu verstehen ist oder sein verrücktes Treiben etwa erst in den Ritterburgen des europäischen Mittelalters begann.

Möglicherweise handelt es sich gar um eine jüngere Erfindung des kapitalistischen Fabrikzeitalters. So ab 1750, versichern Literaturwissenschaftler, sieht man europaweit schwülstige Intellektuelle am Werk, die offenbar mit dem phantastischen Konzept „große Liebe" die sittliche Profanität merkantiler Liebesordnung übertrumpfen wollen.

Diese spezielle Seligkeit wuchs und wuchs, bis sie schließlich ein scheinbar unverrückbares Brückenmonument, einen himmlischen Übergang zwischen zwei Menschen abgab, deren Individualität sie angeblich ganz auslöschte. „ Sie waren einer dem andern das Universum" - so beschwor Friedrich Schlegel 1799 das radikal symmetrische Bündnis der so genannten „romantischen Liebe". Sie hatte Gott ersetzt.

Nicht nur dem Göttinger Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg missfiel die Konstruktion; er stieß sich an der irrationalen Urgewalt dieses Eineiigkeitsgefühls. Doch sein Einspruch („poetische Faselei junger Leute") war lange ebenso vergeblich wie Francois de La Rochefoucaulds Scherz, mit der gefeierten „amourpassion" (leidenschaftliche Liebe) verhalte es sich wie mit Gespenstern: „Alle reden davon, aber keiner hat sie je gesehen,"

Der Frauenkauf. Inzwischen haben die Entrümpeler wieder die Oberhand. Das „traute Heim" der Liebenden ist denn doch nicht das „Reich Gottes" geworden, notierte der britische Theologe C. S. Lewis 1960 befriedigt. Was unsere Vorväter noch so hoch priesen, brandmarken wir Skeptiker eher als Schmalz und Kitsch.

Andere Herunterstufungen der Liebe zielten aufs Portemonnaie oder unter die Gürtellinie. Dass Amor mit Gold und Geschmeide auf zu engem Fuß stehe, vermuteten Moralisten schon in der Antike. Indes ist wohl nur kleinmütig, wer bei kleinen Geschenken gleich an Käuflichkeit denkt.

Das Korruptionsmotiv vertritt derzeit am schwärzesten der französische Skandalromancier Michel Houellebecq („Ausweitung der Kampfzone"), der eine radikal vom Geldwert bestimmte Partnersuche als Ursache der grassierenden Liebesmisere fasst. Tatsächlich halten es Soziologen für empirisch gesichert, dass Männer mit höherem Einkommen die schöneren, jüngeren Frauen bekommen.

Überflüssig zu sagen, dass der Liebesgott zur Brünstigkeit die besten Beziehungen unterhält. Wie auch große Denker im Grenz gebiet von Sex und Eros praktisch alles mit allem verwechseln, zeigt der drastische Satz von Michel de Montaigne (1540-1601), wonach Venus (alias Liebe) „nichts anders anzeige als die Wollust, welche man empfindet, wenn man seine Gefäße ausleeret".

Auch Deutschlands großen Systemtheoreti ker Niklas Luhmann (1927-1999) kann man nicht gerade zu den ekstatischen Liebesaut oren rechnen. Im Zeitalter von Geburtenkontrolle und „Lebensabschnittspartnerschaft" sieht er Liebe zum Problem schrumpfen, „einen Partner für eine Intimbeziehung finden und binden zu können".

Wenn finden/binden nicht richtig klappen will, fasst man ungeniert die „Alternative des Abbrechens und des Alleinbleibens als Lebensplan" ins Auge. Ergebnis dieses Mentalitätswandels: hohe Scheidungsraten - und ganze Szene-Stadtviertel voller Singles, Dinks und Alleinerziehender.

Der Großstadtnomade mit der Wegwerfbeziehung als flexibel einsetzbares und unbeschwert konsumierendes Individuum avanciert zum Symbol einer atomisierten Gesellschaft. Notfalls hält man sich hier an Oscar Wildes Bonmot, wonach „sich selbst zu lieben" immer der „Beginn einer wunderbaren Romanze" sei.

Zänkische Paare. Bereits der Königsberger Immanuel Kant ahnte um 1798 den Untergang des ehelichen Langzeitpaars. Der sonst so radikale Emanzipationsphilosoph machte dafür ausgerechnet die Gleichberechtigung der Geschlechter verantwortlich. Zur „Unauflöslich-keit einer Verbindung" sei „das beliebige Zusammentreten zweier Personen nicht hinreichend". Denn in „der Gleichheit der Ansprüche zweier, die einander nicht entbehren können, bewirkt die Selbstliebe lauter Zank".

Und das schmälert die Liebe, die eigentlich „in der That die größte Sinnenlust;" darstelle, die Menschen möglich ist. Man sieht; Junggeselle Immanuel, der nie eine Maid gefreit, war immerhin theoretisch gut auf dem Laufenden.

Im berühmt gewordenen Kommunique, mit dem Boris Becker kürzlich die Trennung von der Gattin bekannt gab, formulierte der Tennis-Heros Kants Störfaktor „Zank" auf die neudeutsch-geschraubte Art: „Seit geraumer Zeit haben wir feststellen müssen, dass unsere Auffassungen über die Prioritäten unserer Beziehung zu unterschiedlich sind."

„Ich war wohl klug, daß ich dich fand" schrieb einst der liebesfromme Hamburger Dichter Matthias Claudius (1740-1815) an seine Frau Rebekka.

Computersex. Kein Zweifel, dass der egoistische (Karriere-)Trip Aphrodite derzeit hart zusetzt. Sich im schneidenden Wind der Globalisierung zu behaupten war unserer Schönheit offenbar nicht in die Muschel gelegt, aus der Renaissancemaler Botticelli sie entstehen sah.

Obendrein geht Madame der Hype um den durchkommerzialisierten Computersex auf die Nerven. E-Mails und Flirtmaschinen nimmt sie gern hin, aber wenn kultivierte Leute (wie etwa der Münchner Philosophiepublizist Florian Rötzer) allen Ernstes eine ersatzbefriedigende „Fernliebe" namens „Teledildonik" zu feiern versuchen, wird das der Diva zu viel.

Ausgerechnet in einem Insel-Buch über „Glück und Gerechtigkeit" musste sie lesen, dass bei dieser Praktik „Stimulatoren für beide Geschlechter an den Körper angeschlossen und über das Internet von einem Telegeschlechts-partner gesteuert" werden. Die so Verkabelten können nun „ chatten" oder sich via Webcams wechselseitig den Intimbereich begaffen.

Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Voltaire (1694-1778) hatte beobachtet: Nur unsere Art kann beim Verkehr richtig lieben. Nur wir vermögen es während der anatomischen Vorgänge, den Partner in wonniger Umarmung gleichzeitig anzusehen, zu küssen und zu streicheln. „Man berührt den Himmel, wenn man einen Menschen betastet", übertrieb weiland der Bergbau-Assessor Friedrich von Har-denberg, Novalis genannt (1772-1801).

Die Differenz zum Tier bleibt bestehen, wenn man auch Tendenzen zur kraftsportlichen Verrohung in unseren Reihen nicht leugnen kann. Der Beischlaf wird von immer mehr Teilnehmern als fast lebensgefährliche Unternehmung aufgefasst, an deren Endstation unter Umständen die Intensivstation stehen kann.

Man höre den Kantinendialog zwischen Mann und Frau aus der jüngsten Schimanski-Folge der ARD. Sie: „Haben Sie eine Ahnung, was Frauen im Bett so alles anstellen?" Er darauf, prahlend: „Wer von uns beiden am Ende am Tropf hängt, wird sich erst herausstellen."

Göttliche Zeugung. Grundlage für alle Liebesphilosophie ist Platons legendärer Schlüsseltext „Symposion". Unser Mann in Athen, der absolute Weltstar unter den Philosophen (427-347 v. Chr.), referierte dort Reden zum Lob des Gottes Eros, wie sie bei einem berühmten Gelage gehalten wurden.

Erzählt wird u. a, die Geschichte des Kugelmenschen mit vier Beinen und zwei Schamteilen, den Zeus einst wegen Hochmuts in der Mitte zerteilte. Später hatte er wieder Mitleid und ordnete die sehnsüchtig nacheinander verlangenden Genitalien wenigstens so an, dass sich die Hälften begatten konnten.

Generationen von „ Symposion"-Lesern bekamen das Axiom von der homosexuellen bzw. angeblich lustfreien „platonischen Liebe " eingepaukt, doch der O-Text des Denkers klingt per saldo überraschend vertraut: „Mannes und Weibes Gemeinschaft ist Zeugung. Dieser Vorgang aber ist göttlich und dies ist im sterblichen Wesen das Unsterbliche: die Befruchtung und die Geburt."

In der Aufklärungsfibel „Timaios" wurde Pla-ton noch drastischer. Die männlichen Schamteile seien zu Zeiten so ungebärdig wie ihr Gegenstück - die „ sogenannten Scheiden der Weiber". Bis, nun, bis die „wechselseitige Liebe und Begierde beider Teile sie zusammenführt". Ohne dies „zusammen", so viel ist sicher, findet Eros nirgendwo statt. Der Koitus-Denker Arthur Schopenhauer (1788-1860) präzisierte das noch, als er den „Endzweck aller Liebeshändel, sie mögen auf dem Sockus, oder dem Kothurn gespielt werden", in der „Zusammensetzung der nächsten Generation" wahrnahm.

Gegen derlei Biologismus opponierten wiederum Emphatiker wie der Russe Wladimir So-lowjew (1853-1900). Der Sinn der Geschlechtsliebe bestehe in der „Rettung der Individualität durch die Opferung des Egoismus". Auch Max Scheler reflektierte um 1912 enthusiastisch über den „lieberfüllten Geschlechtsakt". Er war ihm wahrhaftig die „ Pforte zur Einsfühlung in den Allebensstrom".

Alas! Beobachter von heute drücken sich melancholischer aus. Der Berliner Dramatiker Botho Strauß z. B., dessen komödiantische Skizzen immer scheiternde Beziehungen thematisieren, variiert beziehungsreich die Strom-Metapher Max Schelers.

Rendezvous der Solitonen. Als Motto seiner Piece „Der Kuß des Vergessens" (1998) poeti-sierte der Dichter die physikalische Theorie so genannter Solitonen. Das sind „Wellen ohne Gedächtnis". Begegnen sich im Ozean zwei von ihnen, „so durchdringen sie einander, ohne sich gegenseitig zu stören. Nur im Augenblick ihres Zusammenstoßes verformen sie sich und finden danach wieder zu ihrer ursprünglichen Form, als hätten sie sich nie gesehen und die Begegnung vollkommen vergessen."

Der ozeanische Vorgang bringt Eigensinn und Blindheit postmoderner Liebender in ein grandioses Bild. Nur tröstlich, dass auf dem Blauen Planeten überhaupt noch Begegnungen möglich sind.

ROGER THIEDE

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GEDANKEN zur Liebe

Liebe besteht nicht darin, in den anderen hineinzustarren,
sondern darin, gemeinsam nach vorn zu blicken.
>>Antoine de Saint Exupery<<

Was ist Liebe? Nur ein Gefühl?

Warum liebe ich?

Was unterscheidet Liebe von der guten Freundschaft?

Was steckt hinter Formulierungen wie
„Ich mag dich", „Ich habe dich lieb", „Ich bin verliebt" „Ich liebe dich",!

Welche Einflüsse wirken auf die Liebe?

 Was ist Liebe?

Auf die (törichte) Frage, was Liebe sei, antworten viele:
„Liebe ist eine starke emotionale Bindung, die von Herzen kommt!"
„Liebe ist dieses Gefühl des Geborgenseins, des Kribbelns im Bauch und des ‘Nicht-mehr-gehen-lassens’!"
„Liebe ist Vertrauen, Hingabe und Toleranz"

Andere aber meinen, Liebe sei
„ein gesellschaftliches Konstrukt!"
„ein Traum in einer traumlosen Welt!"
„der Versuch, seine eigene Ich-Schwäche durch den Partner zu verstecken!"

Ist also Liebe nun eine von außen konstruierte Bindung an andere Menschen oder eine dem Menschen innewohnende Kraft?

  Warum liebe ich? (Sinn der Liebe)

Macht es einen Sinn zu lieben oder gibt es keinen Sinn der Liebe, weil Liebe selbst der Sinn ist.
Liebe ich vielleicht um „zurückgeliebt „ zu werden oder liebe ich des liebens willen?
Häufig wird Liebe auch als Momentaufnahme einer Beziehung zwischen Mensch und Umgebung genutzt.
Wie oft sagen wir nicht: "Ich l i e b e diesen Film, Job, diese Landschaft, Musik, dieses Land, Bild, ja sogar Auto. Wir können alles lieben und hassen und dies mit der gleichen Intensität. Ist also der Mensch nur ein liebenswertes ein Objekt, wie das Bild an der Wand?

  Liebe als Bestätigung und Aufwertung der eigenen Person

Der Mensch neigt dazu, als Liebesobjekt etwas zu wählen was ihn aufwertet, anerkennt, bestätigt.
Was du liebst, verrät dich. Es ist, zum Beispiel, schwer Reggae zu lieben und rassist zu sein.
Andererseits wenden sich Menschen auch gegen die Objekte ihrer Liebe, weil sie sie überfordert, beschämt, entwertet haben.
Liebe ist die Hoffnung auf Anerkennung und Aufwertung.

 „Liebhaben"

Ist „jemanden liebhaben" nur eine Abschwächung des „liebens", also ein etwas anderer Gefühlszustand, oder stellt diese Formulierung vielleicht eine Rechtfertigung vor gesellschaftlichen Zwängen dar! Ich darf nur eine Person (und die Familie!) lieben, also habe ich die anderen, die Freunde lieb! Gleichzeitig grenze ich bestimmte Möglichkeiten aber auch Verpflichtungen aus dieser Definition aus.

„Verliebtsein" <-> „Lieben"

Ich verliebe mich regelmäßig in meine Freundin, aber nicht ständig, sondern in besonderen Momenten.
Lieben tue ich sie durchgehend.
Ab und zu schwindet das „Verliebtsein" weil meine Selbstdefinition in ihr nicht mehr stimmt.
Also ist die Liebe so gesehen eine Form altruistischer Selbstliebe, und somit zwangsläufig auch eine Äußerung von Wünschen und Träumen. Sie ist ist Ausdruck eines Wunsches: so will ich sein und so sollen andere sein.

Es gibt viele Menschen, viele Dinge, die ich liebe, in die ich mich aber nicht verlieben könnte.

Alles quatsch, oder........

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Liebesverse  -  Und wenn alle Liebenden fort sind - Die Liebe wird immer da sein.

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte mann Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon viertel nach vier
und Zeit irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café im Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

Erich Kästner (1899.1974)


Ein Irrtum, welcher weit verbreitet
und manchen Jüngling irreleitet,
ist der, dass Liebe eine Sache,
die immer viel Vergnügen mache. Wilhelm Busch

Einen Menschen lieben heißt einwilligen, mit ihm alt zu werden. Albert Camus

Man kann ohne Liebe Holz hacken, Ziegel formen, Eisen schmieden.
Aber mit Menschen kann man nicht ohne Liebe umgehen. Leo Tolstoj

Liebe ist Leben
und Leben ist Liebe,
denn wer nicht geliebt hat,
der lebte nicht.
Herbert Hoeppner

Liebe ist das einzige, das wächst, indem wir es verschwenden.
Ricarda Huch, Schriftstellerin

Jede enttäuschte Liebe macht ein bisschen immun gegen die nächste
Ursula Andreß

Die Liebe ist der Blick der Seele. Simone Weil

Die Liebe besteht zu drei Vierteln aus Neugier. Giacomo Casanova

Liebe ist wie ein Pilzgericht:
erst hinterher kann man mit Bestimmtheit sagen, ob es unschädlich war.
Alma Cogan

Die Liebe ist wie die Zahl Pi - natürlich, irrational und sehr, sehr wichtig.

Liebe ist die Antwort, aber während man auf die Antwort wartet,br> entstehen durch Sex einige hübsche Fragen. Woody Allen

Die Liebe lebt von liebenswürdigen Kleinigkeiten. Theodor Fontane

Lieben heißt einen anderen Menschen so sehen zu können,
wie Gott ihn gemeint hat. Dostojewski

Es macht Liebenden nichts aus, durch Länder und Meere getrennt zu sein.
Unerträglich ist für sie nur eine Wand oder eine Zimmertüre. Sigmund Graff

Die Liebe ist ein Stoff, den die Natur gewebt und die Phantasie bestickt hat.
Voltaire

Liebe ist ein privates Weltereignis. Alfred Polgar

Um eine Frau verstehen zu können, muss man sie lieben.
Dann ist es allerdings auch nicht mehr nötig, sie zu verstehen!

Es gibt auf der ganzen Welt kein anderes Mittel,
ein Ding oder Wesen schön zu machen, als es zu lieben.
Robert Musil

Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart.
Erziehung ohne Liebe macht widerspruchsvoll.
Klugheit ohne Liebe macht gerissen.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich.
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch.
Macht ohne Liebe macht gewalttätig.
Ehre ohne Liebe macht hochmütig.
Besitz ohne Liebe macht geizig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.
Leistung ohne Liebe macht brutal.
Urteilsfähigkeit ohne Liebe macht unweise.
Wahrheit ohne Liebe macht eitel.
Können ohne Liebe macht egoistisch.
Eifer ohne Liebe macht eifersüchtig.
Vergebung ohne Liebe macht nachtragend.
Erfolg ohne Liebe macht einsam.
Leiden ohne Liebe macht bitter.
Überlegenheit ohne Liebe macht ironisch.
Spontaneität ohne Liebe macht unduldsam.
Gehorsam ohne Liebe macht sklavisch.
Leben ohne Liebe ist sinnlos.

Günther Lazik

Liebe hat nichts damit zu tun, was man bekommen möchte,
sondern nur mit dem, was man selbst geben will.
Katherine Hepburn

Es gibt nur ein Problem, das schwieriger ist als Freunde zu gewinnen.
Sie wieder loszuwerden. Mark Twain, amerik. Schriftsteller, 1835-1903

Die Ehe ist der Versuch, zu zweit mit den Problemen fertig zu werden,
die man alleine nie gehabt hätte. Woody Allen, 1935

Liebe macht nicht blind. Der Liebende sieht nur weit mehr als da ist.
Oliver Hassencamp, dt. Schriftsteller, 1921-1988

Einen Menschen zu nehmen, wie er ist, ist noch gar nichts, das muß man immer.
Die wirkliche Liebe besteht darin, ihn auch zu wollen, wie er ist. >>Alain<<

Liebe besteht nicht darin, in den anderen hineinzustarren, sondern darin, gemeinsam nach vorn zu blicken. >>Antoine de Saint Exupery<<

Die Liebe ist nur eine Episode im Leben des Mannes; sie ist die ganze Geschichte des Frauenlebens. >>Madame de Stael<<

Du fragst mich, Kind, was Liebe ist ?
Ein Stern in einem Haufen Mist. >>Heinrich Heine<<

LIEBE gleicht der Freiheit. Sie ist das, was man dafür hält -
und ist auch soviel wert. >>George Bernard Shaw<<

Liebe ist der Entschluß, das Ganze eines Menschen zu bejahen,
die Einzelheiten mögen sein, wie sie wollen ! >>Otto Flake<<

Die Liebe ist die billigste der Religionen. >>Cesare Pavese<<

Das Glück der Liebe:
sich vor dem anderen ganz aussprechen dürfen.
Das Geheimnis der Liebe:
vieles unausgesprochen lassen.
Beides bindet. >>Siegmund Graff<<

Die Liebe ist ein Kind der Ewigkeit. Sie verwischt die Erinnerung
an den Anfang und nimmt die Angst vor dem Ende. >>Madame de Stael<<

Die Liebe gleicht dem Monde:
Wenn sie nicht zunimmt, nimmt sie notwendigerweise ab.

>>Louis Phillippe Graf von Segur d'Aguesseau<<

Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod. >>Marie von Ebner-Eschenbach<<

Die Liebe ist ein Zeitvertreib,
man braucht dazu den Unterleib.
                 >>Erich Kästner<<

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Eine Geschichte über Liebe und Freundschaft

Soulame sagt, Freunde seien einer der vier Grundpfeiler des Hauses Leben. Die anderen drei - nein, ich verzichte hier auf Vollständigkeit. Soulame ist verständig. Die Dinge, die er verkündet sind nicht billig, drum spricht er auch so wenig. Ich pflichte ihm bei, zwar wissend, daß ich dieses Thema noch nicht erschöpfend diskutiert habe, doch ist Soulame sehr verständig und auf den Sinn seiner Worte sehr bedacht. Daher vertraue ich ihm. Leider ist ihm mein Vertrauen nicht genug. Soulame drängt mich, mich zu äußern - worüber? Dabei habe ich schon damals in der Grundschule einen Aufsatz darüber geschrieben.

Soulame fragt: Was sind Freunde?

Sie laufen überall herum. Schau links, Soulame, oder rechts. Dort drüben kannst du gerade welche vorübereilen sehen. Freunde sind da, auch dann, wenn man sie nicht braucht. Für Ungeliebte gilt dies allerdings in besonderem Maße. Die Eigenschaft der Anwesenheit ist also nicht maßgebend.

Soulame nickt.

Unbeirrt fahre ich fort, daß aber Freunde anwesend sein müssen, weil ich sie sonst nicht als solche erkennen kann. Vielleicht dann, wenn ich sie brauche? Meine Zigaretten sind also meine Freunde: immer verfügbar und jederzeit bereit, sich für mich aufzuopfern. Sie hören meine Klagen geduldig an, während sie sich stetig mit dem Abbrennen beschäftigen und mich durch ihre Selbstgenügsamkeit von dem Gefühl befreien, zur Last zu fallen.

Warte einen Moment, Soulame, gerade entfiel mir der Faden meiner Erzählung, wie es mir gelegentlich vorkommt, wenn ich mich durch eine mehr oder weniger große Menschenmenge hindurchbewege (er sieht mich groß an) und ein Gesicht an mir vorbeitreiben sehe, Verzeihung, natürlich meine ich ein weibliches Gesicht, das ich interessant finde oder besser, das ein großes Potential besitzt, meine Liebe zu erregen, und wenn dieser potentialbehaftete Mensch, den die Vorsehung geschickt haben könnte, an mir vorbeitreibt, ohne in meine Reichweite zu kommen, daß also für mich nicht die geringste Möglichkeit aus dieser Begegnung resultierender Konsequenz besteht, ja sich unsere Blicke nicht mal treffen, sie mich also garnicht wahrnimmt, dann verzögert sich mein Schritt, meine Energie ist entschwunden und ich fange an zu taumeln, mit den Flügeln zu schlagen und mich mehrmals hilflos umzudrehen, um etwa doch noch den Rettungsring zu erhaschen, der mir von der Reling dieses vorbeiziehenden Ozeanriesen zugeworfen werden könnte.

Hinkt der Vergleich? Ist mein Gefühl in diesem Augenblick eher mit dem des Hungernden vergleichbar, dem man die duftende Mahlzeit kurz unter die Nase hält, damit er vom aufsteigenden Dampfe koste, sie aber alsdann schnell wieder hinfort zieht, um ihn daran zu hindern, seinen Hunger mit ihr zu stillen?

Mir antwortet Soulame: Willst du nicht endlich einmal lernen, wie du die Bekanntschaft junger Damen machen und auf dein Selbstmitleid verzichten kannst? Denn siehe, du hast dir die Fesseln deines Zeitplans ja selbst angelegt.

Er hat recht, nicht wahr?

Soulame sollte man zuhören, sein Wort klingt so rein und gut, daß man geneigt ist, alles zu glauben. Ach, manchmal wünsche ich, ich wäre wie Soulame, könnte mich auf diese besondere Art ausdrücken, daß mir zugehört wird. Nicht wahr, Soulame,

Freunde hören zu? Sie werten nicht zuerst, begegnen mir nicht mit dem Schild der Voreingenommenheit, um mich auf Abstand zu halten, denn sie brauchen den Abstand zu mir nicht, nein, sie schätzen sogar meine Nähe. Ist es das, eine weitere Eigenschaft des Freundes? Er sucht meine Nähe, er duldet sie, ermöglicht sie. Er darf mich allerdings nicht ernst nehmen, sonst könnte er mir nicht zuhören. Meine Worte zeugen von menschlicher Beschränktheit, Unvollkommenheit, mit der unsere ebenso begrenzte Geduld nicht fertig wird.

Soulame sag etwas! Du siehst, mir gelingt keine treffende Beschreibung des Freundes! Er schweigt, wie immer, wenn ich ihn brauche. Läßt er mich nun im Stich, oder gibt er mir die Möglichkeit, eine eigene Verstandesleistung zu erbringen, auf die ich dann auch ganz allein stolz sein kann?

Ist Soulame also mein Freund?

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