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     Pädagogik                                           

Einführung
Was will Waldorfpädagogik ?
  Soziale Kompetenzen entwickeln
  Lernen an Bildern - Lernen durch Tun
  Lebendiges Unterrichten macht den Lehrer zur Autorität
  Für seelische Qualitäten Sensibilität entwickeln
  Anthroposophie ist keine Lehre
  Waldorfschulen sind keine Weltanschauungsschulen
  Mit den Keimkräften der Nacht arbeiten
  Geistige Beweglichkeit gründet in körperlicher und seelischer         Beweglichkeit
  Bewegliche Unterrichtsform: Epochenunterricht
  Abschlüsse bzw. Aufschlüsse
  Individuelle Beurteilung: Text- und Notenzeugnisse
  Waldorfpädagogik - weltweit und international
  Das Ziel: Freiheit und Vielfalt im Bildungswesen
  Der Staat finanziert mit .....            
  Öffentliche Veranstaltungen und Tage der offenen Tür
  F
reie Plätze an den Schulen?
Rudolf Steiner: Philosoph und Wissenschaftler
Literatur zur Waldorfpädagogik


Einführung

Rudolf Steiner wollte eine "Dreigliederung des sozialen Organismus". Hierfür nahm er die drei Worte der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Er bezog sich auf Freiheit (Liberalismus) als Grundlage des Geisteslebens, die Gleichheit (Demokratie) sah er als ideelle Basis staatlicher Einrichtungen und die Brüderlichkeit (Solidarität) als Ausgangspunkt eines assoziativen organisierten Wirtschaftslebens. Mit dem Hintergrund dieser Ideen wurde Rudolf Steiner am 7. September 1919 in Stuttgart mit dem Unternehmer Emil Molt (Waldorf Astoria Zigarettenfabrik) Gründer der ersten Waldorfschule.
Diese Schule sollte es den Schülern ermöglichen sich selbst zu entwickeln und sich ohne den "weniger" Leistungsdruck ihre Kenntnisse anzueignen.
So wird den Schülern eigendlich freigestellt ob sie lernen wollen oder nicht. Auch werden die Fremdsprachen schon in der 1. Klasse eingeführt um den Kindern auf spielerische Art und Weise die fremde Sprache zu eröffnen.
So werden die Kinder von der 1.-8. Klasse in den ersten beiden Unterrichtsstunden von ein und dem selben (Klassen-) Lehrer unterrichtet. Dieser unterrichtet Fächer wie Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Tierkunde, Deutsch usw. Er unterrichtet sogar eine der beiden Fremdsprachen in den ersten 4-5 Schuljahren.
Dies alles hat den Vorteil, daß sich der Lehrer auf die einzelnen Schüler besser Einstellen und ihnen auch besser helfen kann. Dies hilft auch den Schüler sich besser auf den Klassenlehrer einzustellen. Das 8. und letzte Schuljahr zusammen mit dem Klassenlehrer wird mit einem größeren Theaterstück beendet.

Ab der 9.-12. Klasse werden die ersten beiden Fachstunden von den Lehrern der jeweiligen Epoche übernommen. Der Klassenlehrer wird dann durch einen Klassenbetreuer ersetzt, mit dem sich die Klasse einmal wöchentlich treffen kann.

An der Waldorfschule gibt es keinen Rektor wie an Staatsschulen, oder um es besser auszudrücken, es gibt überhaupt keinen. Entscheidungen die normalerweise ein Direktor fällen müßte, werden von dem "Kollegium" getroffen. Dieses trifft sich, einmal pro Woche um über die Probleme der Schule und/oder Veranstaltungen, Schüler und andere Dinge zu beraten. Dies hat z.B. den Vorteil, daß man sich nicht bei einem Direktor über einen Lehrer beschweren kann, sondern sich an das Kollegium oder an ein Mitglied des selbigen wenden muß um seine Beschwerde vorzubringen.

Die Lehrer der Waldorfschule folgen auch keinem festen Weg, sie gehen mehr auf die Bedürfnisse einer Klasse ein. Trotzdem wird und muß auch der ganze Wissensstoff vermittelt werden. Wäre dies nicht der Fall, könnte man an der Waldorfschule keinen Abschluß machen und die wäre auch nicht so bekannt, wie sie doch heute nicht nur in Deutschland ist.

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Was will Waldorfpädagogik ?

Die Waldorfschule war und ist Vorreiter Gemeinsamer Unterricht für Jungen und Mädchen, zwei Fremdsprachen ab der ersten Klasse, Epochenunterricht (Blockunterricht), Gesamtschule von Klasse 1 bis 12, Verzicht auf Sitzenbleiben, künstlerische Gestaltung des Unterrichts, ausführliche Textzeugnisse, Verbindung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Selbstverwaltung (Autonomie) der Schule – all das ist selbstverständlich an Waldorfschulen seit Gründung der ersten Waldorfschule im Jahre 1919; erst sehr viel später wurde einiges davon auch in die Unterrichtspraxis der "Regelschule" aufgenommen.

Waldorfpädagogik will die kreativen Kräfte der Schüler von Grund auf entfalten. Anstatt mit vorwiegend vorgegebenen Formen zu arbeiten, die ggf. Lücken zum Ausfüllen bieten, ersetzen selbstgestaltete Epochenhefte weitgehend die Lehrbücher.

Soziale Kompetenzen entwickeln

Das Erüben sozialer Kompetenzen in einer möglichst stabilen Klassengemeinschaft von Schülern unterschiedlicher Begabung ist lebensnaher als ein notenorientiertes Lernen von Schülern derselben Begabungsbandbreite. Gymnasien berauben Real- und Hauptschulen ihrer Zugpferde. Das Herauslösen leistungsschwacher Schüler aus einer Klassengemeinschaft durch Sitzenbleiben setzt einen abstrakten Leistungsgedanken vor die soziale Tragfähigkeit einer Klassengemeinschaft. Waldorfschulen bauen dagegen auf das Lernen im gegenseitigen Miteinander. Denn schneller begreifende Schüler lernen am meisten, wenn sie Gelegenheit bekommen, langsamer begreifenden Schülern etwas zu erklären. Letztere lernen auch besser, wenn sie nicht ausschließlich auf die Erklärungen des Lehrers angewiesen sind. Das gemeinsame Lösen von Aufgaben in Gruppen mit unterschiedlichen Begabungen ist eine Herausforderung des Berufslebens, auf die Schule schon vorbereiten sollte.

Lernen an Bildern - Lernen durch Tun

Das Lernen im Grundschulalter ist noch nicht gedanklich abstrakt, sondern bildhaft konkret. Durch ein nachahmendes Einleben in die Bewegungsformen des Schreibens werden auch Gefühl und Willen angesprochen und die Buchstaben aus künstlerisch gestalteten Bildern herausgearbeitet. So werden das bildhafte Erleben und der Bewegungsdrang des Kindes aufgegriffen und zum Verständnis des jeweiligen Unterrichtsgegenstandes hingeführt. Unter dem Motto "Lernen durch Tun" wird so das Schreiben vor dem Lesen gelernt. Bilder, die die Schüler innerlich bewegen können, ermöglichen es, auch gefühlsmäßig in die mannigfaltigen Erscheinungen der Welt einzutauchen und sie allmählich von innen begrifflich zu konstituieren. - In der Mittel- und Oberstufe tragen handwerklicher Unterricht und Betriebs- und Sozialpraktika zur lebenspraktischen Orientierung bei.

Lebendiges Unterrichten macht den Lehrer zur Autorität

Zufriedenheit mit einer Unterrichtsstunde sollte einen Lehrer nicht dazu verleiten, sie später zu wiederholen, so meinte Rudolf Steiner (1861 – 1925), Begründer der Waldorfschule und der ihr zugrundeliegenden Menschenkunde. Denn wer sich am Leben orientiert, ist ständig in Verwandlung begriffen. Auf der lebendigen Ausgestaltung des Unterrichtsinhaltes gründet die natürliche Autorität des Grundschullehrers. Das Wort "Autorität" ist immer wieder Quelle von Missverständnissen, wenn es fälschlicherweise mit "autoritär" assoziiert wird. Echte Autorität entsteht nur aus einem Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler. Rudolf Steiner betont, dass es "unendlich wichtig" sei, dass das Grundschulkind an dem Erzieher bzw. Lehrer "eine selbstgewählte, freiwillig gewählte Autorität empfindet"1. Dessen muss sich der Lehrer erst als würdig erweisen. Eine autoritäre Haltung ist diesem Ideal genau entgegengesetzt. Lehrer werden autoritär, wenn sie nicht mehr über die notwendige innere Ruhe und liebevolle Hingabe an die lebendige Kindesnatur verfügen. Schon Rudolf Steiner hatte vorgeschlagen, den Lehrerberuf dadurch immer wieder an das Leben heranzuführen (und dem "Burn-out-Syndrom" entgegenzuwirken), dass in einem Sabbatjahr der Lehrer z.B. in wirtschaftlichen Berufen arbeitet.2

Die menschenbildende Wirkung des Unterrichts hängt entscheidend davon ab, ob die Pädagogen versuchen, die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen innerlich zu begleiten und dabei ihre eigene Begriffsbildung ständig in Fluss zu halten. dass das nicht immer gelingt, gehört zum Spannungsfeld jeder Schule. Eine bewegliche Begriffsbildung kann sich keinem Menschenbild verschreiben. Rudolf Steiner war der Auffassung, dass es keinen allumfassenden Standpunkt geben kann. Will man Mensch und Welt verstehen, muss man sich die Fähigkeit erarbeiten, immer wieder völlig neue Sichtweisen zu erproben.

Für seelische Qualitäten Sensibilität entwickeln

Auch die gesunde Entwicklung emotionaler Intelligenz soll an der Waldorfschule gefördert werden. Darum sollte der Lehrer für die verschiedenen seelischen Konstitutionen der Kinder Sensibilität entwickeln und sie in den Unterricht mit einbeziehen. So wird z.B. selbst der Rechenunterricht wesentlich abwechslungsreicher und spielerischer, wenn im Klassengespräch auch auf die Temperamente der Kinder Rücksicht genommen wird.3 Die vier klassischen Temperamente - Choleriker, Sanguiniker, Melancholiker und Phlegmatiker - sind dabei nur Anhaltspunkte.

Anthroposophie ist keine Lehre

Ein guter Unterricht fährt sich nicht in Einseitigkeiten fest, sondern atmet. Bloße Wissensvermittlung interessiert keinen jungen Menschen. Wenn der Unterricht aber künstlerisch-dramaturgisch gestaltet wird, indem im rhythmischen Wechsel Spannungen aufgebaut und wieder gelöst werden, wird Schule lebendig. Das kann an jeder Schule geschehen. Waldorfpädagogik versucht, lebendigen Unterricht künstlerisch durchzuführen und seine Voraussetzungen mit Bewusstsein zu durchleuchten. Letzteres kann man auch Anthroposophie nennen.

Anthroposophie ist kein von Rudolf Steiner fertig ersonnenes Weltbild, sondern eine bewusste Beziehung zum Geistigen im Menschen. Die Werke Rudolf Steiners sind keine theoretischen Konstrukte, sondern regen Begriffsbildungen an, die - richtig gehandhabt - eine Erkenntnis von seelisch-geistigen Realitäten und ein geistesgegenwärtiges Handeln fördern.

Es ist wenig verwunderlich, dass von seiten einer materialistischen Weltanschauung, die seelisch-geistige Realitäten dogmatisch leugnet, der Anthroposophie jegliche wissenschaft-liche Existenzberechtigung abgesprochen wird. Die Früchte der Anthroposophie - z.B. in der Medizin, der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und auch in der Pädagogik - legen ein anderes Zeugnis ab. - Von den Lehrern wird erwartet, dass sie sich mit Anthroposophie auseinandersetzen, natürlich aber nicht von den Eltern. Die Lehrer erhalten dazu u.a. Gelegenheit in einer zusätzlichen Lehrerausbildung für Waldorfschulen. Aber auch die Eltern können sich in Einführungsabenden an den Schulen über Anthroposophie und über Waldorfpädagogik informieren.

Waldorfschulen sind keine Weltanschauungsschulen

Großen Pädagogen, wie etwa Eduard Spranger, war selbstverständlich, dass es eine Pädagogik ohne weltanschauliche Stellungnahme nicht geben kann. Die Frage ist lediglich, ob man sich seiner weltanschaulichen Grundhaltung bewusst ist, oder nicht. Bei einer sich dem Materialismus verschreibenden Geisteshaltung ist das gerade nicht der Fall, wenn sie sich für weltanschaulich neutral erachtet.

Die Vermittlung von Weltanschauungen - gleich welcher Art - würde der pädagogischen Grundintention der Waldorfpädagogik widersprechen. Gleichwohl haben alle Schüler die Möglichkeit, an einem Religionsunterricht der Konfessionen oder an einem freien christlichen Unterricht teilzunehmen. Bevor z.B. in Berlin Jüdische Schulen gegründet wurden, besuchten viele Schüler jüdischer Konfession die dortige Rudolf Steiner Schule, so dass für diese jüdischer Religionsunterricht eingerichtet werden konnte.

Mit den Keimkräften der Nacht arbeiten

In einer guten Unterrichtsstunde des Hauptunterrichts wird ein Waldorflehrer nicht alles bis zu Ende erklären, sondern bewusst wichtige Fragen offen lassen. In einer gesund durchschlafenen Nacht kann eine Frage im Unterbewussten geistig aufkeimen, so dass sie am nächsten Tag mit einem ganz anderen Tiefgang von den Schülern aus behandelt werden kann. Daran kann wiederum der Lehrer nur aus Geistesgegenwart mit seinem

Unterricht anknüpfen, wobei er bereit sein muss, eventuell seinen vorbereiteten Stoff über Bord zu werfen. Dann ist aus der "Belehrungsanstalt Schule" eine lebendige Lernwerkstatt geworden, die das Geistige des Menschen aus der Nacht bewusst in den Lernprozess mit einbezieht.

Geistige Beweglichkeit gründet in körperlicher und seelischer Beweglichkeit

Auch die körperliche Grundlage des Lernens wird besonders gepflegt. "In den körperlichen Handlungen hat die Entwicklungspsychologie die Grundlage der Intelligenz wahrgenommen. ... Noch die abstraktesten Leistungen unseres erwachsenen Vermögens haben irgendwann im Entwicklungsgang eine körperliche Handlung zu ihrer Bedingung gehabt" (Jürgen Funke, Sportpädagoge)4. Das ist eine Grunderkenntnis in der Waldorfpädagogik. Praktisch bedeutet das: neben dem Sport- und Eurythmieunterricht, werden durch Plastizieren, Schnitzen, Tischlern, Metallarbeiten, Schmieden, Steinmetzen, Stricken, Häkeln, Sticken, Schneidern, Filzen, Flechten, Schuhmachen, Spinnen, Weben, Flöten, Leierspielen, Malen, Zeichnen und Buchbinden die unterschiedlichsten Bewegungsintelligenzen ausgebildet. Eurythmie arbeitet u.a. mit Körpersprache als eigens entwickelte Kunstform, um Musik und Sprache an der Bewegung sichtbar zu machen. Die Förderung der künstlerischen Beweglichkeit des Körpers bildet die beste Grundlage für die Entwicklung geistiger Beweglichkeit. Wissen bekommt in der heutigen Zeit eine zunehmend kürzere Halbwertzeit. Das Wichtigste, was eine Schule ausbilden kann, ist die Fähigkeit zu inneren Umbildungen, die möglichst bis ins hohe Alter erhalten bleibt.

Bewegliche Unterrichtsform: Epochenunterricht

Eine Besonderheit von Waldorfschulen ist z. B. der Hauptunterricht in den ersten zwei Schulstunden am Morgen, in denen generell der Klassenlehrer (und ab Klasse 9 der Fachlehrer) den Unterricht in Epochen von mehreren Wochen pro Fach erteilt. Klassenlehrer geben in der 7. und 8. Klasse auch öfters Epochen an Oberstufenlehrer ab. Ausser bei Fremdsprachen, Musik, Sport, Eurythmie, Werk-, Handarbeits- und Religionsunterricht gibt es Hauptunterrichtsepochen in allen Fächern. Rechnen, Mathematik und Deutsch haben zusätzlich zu den jeweiligen Epochen noch wöchentliche Übstunden. Nicht wenige Waldorfschulen gehen allerdings dazu über, auch andere Fächer am späteren Vormittag epochenweise zu unterrichten. An einigen Schulen wird derzeit auch eine Ausweitung des Hauptunterrichtes auf den ganzen Vormittag mit integriertem Fachunterricht erprobt, bei dem der Fach- sowie der Klassenlehrer anwesend ist.

Im Hauptunterricht können auch große Klassen unterrichtet werden; im Fachunterricht wie z. B. bei Fremdsprachen werden die Klassen oft halbiert, im Werkunterricht eventuell gedrittelt. Der Fremdsprachenunterricht beginnt in Deutschland schon in der ersten Klasse mit Englisch und Russisch oder mit Englisch und Französisch. Die durchschnittliche

Unterrichtsgruppengröße ist hier wie auch in anderen Fächern nicht selten kleiner als an anderen Schulen.

Abschlüsse bzw. Aufschlüsse

Zu Aufschlüssen führen, nicht zu Abschlüssen sollte das Ziel jeder Erziehung sein, also die Vorbereitung auf eine Biographie, die nach der Schulzeit weitergeht. Dennoch haben auch an der Waldorfschule die Abschlüsse ihren notwendigen Platz. Die Waldorfschulzeit beträgt zwölf Jahre, in denen der Hauptschulabschluss bzw. die Mittlere Reife, in einigen Ländern auch die Fachhochschulreife, erworben werden kann. In einem angehängten 13. Schuljahr können Schüler, meistens an der Waldorfschule selbst, auch die Abiturprüfung vor einer staatlichen Prüfungskommission (unter Beteiligung der Waldorflehrer) ablegen. Trotz länderweise unterschiedlichen Bedingungen ist diese immer bundesweit anerkannt. Die Quote von Schülern, die einen entsprechenden Abschluss erreichen, liegt meist ebenso hoch oder höher wie an staatlichen Schulen.

Individuelle Beurteilung: Text- und Notenzeugnisse

Bei allen Abschlussqualifikationen werden Notenzeugnisse erstellt. Ansonsten werden innerhalb der Waldorfschulzeit detaillierte schriftliche Charakterisierungen des Schülers und seiner Leistungen von jedem Lehrer und in jedem Fach gegeben, die einen genaueren Einblick in die Entwicklung und Befindlichkeit des Schülers geben. Formale Versetzungsentscheidungen und damit ein "Sitzenbleiben" gibt es nicht.

Waldorfpädagogik - weltweit und international

Der von Rudolf Steiner entwickelte pädagogische Ansatz hat sich in den unterschiedlichsten kulturellen und sozialen Umfeldern unter manchmal schwierigsten Bedingungen umgesetzt, z. B. in den Favelas Brasiliens oder als gemischtrassige Schule unter der Apartheidspolitik Südafrikas. So gibt es im Frühjahr 1999 insgesamt 770 Waldorfschulen. In Europa sind es 574, davon die Hälfte in den Niederlanden und in Deutschland. Jedes Jahr kommen derzeit ca. 25 Schulen hinzu. Waldorfschulen sind damit die größte von Staat und Kirche unabhängige Schulbewegung. Sie sind nicht zentral organisiert, schließen sich allerdings in regionalen, nationalen und internationalen Verbänden zusammen und unterhalten eine eigene Lehrerausbildung in derzeit 64 Lehrerseminaren und Hochschulen sowie einer Vielzahl berufsbegleitender Seminare. Viele Waldorfschüler besuchen vor ihrer Schulzeit einen der 470 Waldorfkindergärten in Deutschland.

Wie es begann: Die erste Waldorfschule

Die erste Waldorfschule wurde nach Vorträgen von Rudolf Steiner vor Arbeitern der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart im Jahre 1919 gegründet, nachdem diese von der Persönlichkeit und der menschlichen Wärme Rudolf Steiners so tief beeindruckt waren, dass sie sich für ihre Kinder eine Schule mit tieferen Dimensionen wünschten.5

Das Ziel: Freiheit und Vielfalt im BildungswesenDer Staat finanziert mit .....

Waldorfschulen entwickeln sich aus örtlichen Elterninitiativen und werden vom jeweiligen Lehrerkollegium in Selbstverwaltung zusammen mit den Eltern geführt. Jede Waldorfschule ist autonom und somit frei, bis in den Lehrplan eigene pädagogische Ansätze zu verwirklichen. Trotz ihres nichtstaatlichen Charakters sind Waldorfschulen allgemein zugänglich, also freie öffentliche Schulen für jedermann. Als Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft sind sie durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verfassungsmäßig geschützt.

Der Staat finanziert mit .....

Das Grundgesetz schreibt für Schulen in freier Trägerschaft gleichwertige pädagogische Leistungen und ein Verbot der Sonderung der Schüler nach den finanziellen Verhältnissen der Eltern vor (Artikel 7 Absatz 4). Daraus ergibt sich ein Rechtsanspruch auf Finanzhilfe aus öffentlichen Mitteln, da eine Vollfinanzierung des heutigen Schulstandards über Elternbeiträge eine nur für Wohlhabende zugängliche Privatschule ergeben würde. Letzteres widerspräche auch dem Konzept der sozialen Integration. Ein Sponsoringsystem für freie Schulen gibt es nicht.

..... aber bittet die Eltern zur Kasse: Elternbeiträge Eine Chancengleichheit für alle Schulen besteht in Deutschland nicht: die gemeinnützigen Schulen in freier Trägerschaft werden gegenüber den staatlichen Schulen finanziell benachteiligt, und zwar in den gegenwärtigen Spardebatten mit zunehmender Tendenz (im Gegensatz z. B. zu Schweden oder den Niederlanden, welche ihre staatlichen Schulen nicht finanziell bevorzugen). Obwohl namhafte Politiker bis hin zum Bundespräsidenten immer wieder zu einer Ermutigung privater Bildungsinitiativen aufrufen, hat sich die Tendenz staatlicher Kultusverwaltungen, bei den freien Schulen stärker als bei den eigenen Schulen zu sparen, eher noch verstärkt. Da Waldorfschulen deshalb 20% bis 45% weniger finanzielle Unterstützung als staatliche Schulen erhalten, klafft eine Finanzierungslücke, die monatliche Elternbeiträge von durchschnittlich 170,- bis 300,- DM pro Kind, regional unterschiedlich, notwendig macht (in den neuen Ländern etwas weniger). Sie werden aber stets abhängig vom Einkommen in Absprache mit den Eltern festgelegt, um einen Schulbesuch nicht aus finanziellen Gründen scheitern zu lassen. Dieses System der finanziellen Solidarität unter den Schuleltern hat sich an Waldorfschulen bewährt. Ungerecht ist es dennoch, denn Eltern werden doppelt zur Kasse gebeten: Einmal sollen sie über ihre Steuern das staatliche Schulwesen mitfinanzieren; zusätzlich aber trotz grundgesetzlich garantierter freier Schulwahl für den Besuch Freier Schulen zahlen.

Öffentliche Veranstaltungen und Tage der offenen Tür

An den Schulen finden regelmäßig öffentliche Veranstaltungen statt, darunter auch öffentliche "Monatsfeiern". In kleinen Klassenspielen, Rezitationen und anderen meist künstlerischen Darbietungen zeigen Schüler aller Klassenstufen, was sie sich erarbeitet haben. Auch die großen Klassenspiele der 8. und 12. Klasse werden öffentlich dargeboten. An den Schulen, oft auch an Volkshochschulen finden Einführungsveranstaltungen für interessierte Eltern statt. Einige Waldorfschulen veranstalten einmal im Jahr einen Tag der offenen Tür, an dem jeder Interessent auch im Unterricht hospitieren kann.

Freie Plätze an den Schulen?

Falls noch Platz in der Klasse ist, können Schüler bis in die Oberstufe hinein "quereinsteigen". Telefonisch kann jederzeit bei der Schule erfragt werden, in welchen Klassen es möglich ist, neue Schüler aufzunehmen. Ein verfügbarer Platz ist allerdings noch keine Aufnahmegarantie, da mehrere Kriterien in eine Aufnahmeentscheidung hineinspielen. Insbesondere muss sichergestellt werden, dass der Schüler an der Waldorfschule genügend gefördert werden kann. In den Worten der ehemaligen Berliner Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien: "Schulen in freier Trägerschaft sind nicht die Lazarettwagen, die die Opfer der öffentlichen Bildungspolitik aufsammeln."

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Rudolf Steiner: Philosoph und Wissenschaftler

Rudolf Steiner war promovierter Philosoph und hat sich zeitlebens nicht gescheut, seine oft sehr kritischen Gedanken über die Zeitlage und die vermeintlichen Grenzen des Erkennens scharf zu formulieren.6 Früh beschäftigte er sich mit Mathematik, den Naturwissenschaften sowie Goethes naturwissenschaftlichen Schriften. Wiederholt betonte er die Notwendigkeit einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung als Voraussetzung für ein Verständnis der anthroposophischen Geisteswissenschaft.7 Es ist eine auch heute noch wenig bekannte Tatsache, dass er vor dem ursprünglichen Lehrerkollegium über vierzig Vorträge in drei Zyklen über Naturwissenschaft hielt. Bemerkenswert ist u.a., dass er in einem dieser Vorträge schon im Jahre 1920 eine Differentialgleichung für Lichtwirkungen entwickelte8, die erst drei Jahre später von Erwin Schrödinger "neu" entdeckt wurde. Sie spielte als Grundlage der Quantenphysik in der modernen Naturwissenschaft eine nicht unbedeutende Rolle. Steiners Erkenntnismethode war eben keineswegs vage und okkult-nebulös, wie manchmal behauptet wird. Sonst hätte sie sich nicht auf so vielen Gebieten als äußerst lebenspraktisch und kulturerneuernd erwiesen.

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1 aus: Die Erneuerung der pädagogisch-didaktischen Kunst durch Geisteswissenschaft, Vortrag v. 20.04.1920.

2 Die Realisierung dieses Vorschlages blieb Ausnahmefall. Noch besser wäre es, wenn der Unterricht nicht von Berufslehrern auf Lebenszeit, sondern von Menschen erteilt würde, die im Leben "zirkulieren", bis dahin, dass Menschen mit langjähriger Berufserfahrung während "fünf oder zehn Jahren" an die Schule gehen, um "dasjenige den Jungen und Mädchen zu sagen, was zu sagen ist aus dem Leben. Dann, wenn das ein bisschen altbacken geworden ist", mögen sie zurück in ihre Berufe kehren (siehe Ende des letzten Vortrags Rudolf Steiners vom 29. August 1922 in Oxford, enthalten in Band 305 der Gesamtausgabe). Denn Schulen haben prinzipiell die Tendenz, weltfremd zu werden. Steiner wollte eine möglichst weltnahe Schule, die nicht von bürokratisch verordneten Lehrplänen gegängelt oder -– heute noch aktueller – von Abschlussprüfungen pädagogisch deformiert wird.

3 Siehe z.B. Ernst Schuberth: Der Anfangsunterricht in der Mathematik an Waldorfschulen. Aufbau, fachliche Grundlagen und menschenkundliche Gesichtspunkte, Stuttgart 1993.

4 Mit dem Körper leben lernen, in: B. Engholm (Hg): Demokratie fängt in der Schule an, Frankfurt a.M. 1985.

5 Für eine umfassende Dokumentation zu Rudolf Steiners politischem Wirken im Jahre 1919 siehe Albert Schmelzer: Die Dreigliederungsbewegung 1919. Rudolf Steiners Einsatz für den Selbstverwaltungsimpuls, Stuttgart 1991.

6 Kaum eine Bewegung hat die Äußerungen ihres Gründers so umfassend veröffentlicht wie die anthroposophische. Das 360 Bände umfassende Gesamtwerk besteht allerdings zum Großteil aus Nachschriften von Vorträgen vor Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft. Diese Vorträge wurden vor Zuhörern gehalten, denen die Grundlagen der Anthroposophie vertraut waren. Ohne diese Voraussetzungen werden die Inhalte häufig fremdartig erscheinen und unverständlich bleiben. Das hat immer wieder zu unsachlicher, z.T. gehässiger Kritik geführt. - Wer sich dem rationalen Denken in festen, endlichen Größen verschrieben hat, kann nie das bewegliche Denken erreichen, welches zum Verständnis der Differentialrechnung nötig ist. Wer keine Bruchrechnung gelernt hat, wird sich erst recht kein Urteil darüber anmaßen. Genau so setzt ein Verständnis der Anthroposophie die Auseinandersetzung mit ihren Grundlagen voraus - und das ist nur durch ein intensives Studium möglich.

7 "Ich glaube deshalb auch nicht und sage das ganz unumwunden, dass zu einem wirklichen geisteswissenschaftlichen Erkennen derjenige kommen kann, der nicht im strengen Sinne des Wortes eine naturwissenschaftliche Disziplin sich erworben hat, der nicht forschen und denken gelernt hat in den Laboratorien und durch die Methode der neueren Naturwissenschaft." "Sie werden, wenn Sie die Philosophie wirklich studieren, das Tor genau merken, durch das – durch diese Philosophie – der Weg in die Geistigkeit hinein geboten wird (gemeint ist Steiners Grundwerk 'Die Philosophie der Freiheit', die zu einem geistesgegenwärtigen Anschauen des Denkens führen soll), nur dass ich in dieser Philosophie so vorging, dass ich jedem analytischen Mechaniker über den Gang meiner Untersuchungen hätte Rechenschaft geben können, und dass ich gar keinen Wert legte auf dasjenige, was etwa an Zustimmung zu einem Wege in die Geistigkeit hinein kommen könnte durch all das Geschwafel, das von irgendwelcher spiritistischen oder mystisch-nebulosen Seite her kommt", aus Rudolf Steiner: Grenzen der Naturerkenntnis, GA 322, 3. bzw. 4. Vortrag.

8 Siehe Vortrag am 12.03.20 in R. Steiner: Geisteswissenschaftliche Impulse zur Entwicklung der Physik (GA 321).

Literatur zur Waldorfpädagogik

Es gibt eine sehr umfangreiche Literatur zur Waldorfpädagogik. Vier Bücher seien herausgegriffen.

Der immer noch aktuelle Klassiker ist Christoph Lindenberg: Waldorfschulen: Angstfrei lernen, selbstbewusst handeln. Praxis eines verkannten Schulmodells. Rowohlt 1975

Stefan Leber: Die Menschenkunde der Waldorfpädagogik - Anthropologische Grundlagen der Erziehung des Kindes und Jugendlichen, Verlag Freies Geistesleben, 1993

Johannes Kiersch: Die Waldorfpädagogik. Eine Einführung in die Pädagogik Rudolf Steiners. Reihe Praxis Anthroposophie 47, Verlag Freies Geistesleben, 1997

In der Reihe "Elternfragen an die Schule"

Dietrich Esterl: Welche Abschlüsse gibt es an Waldorfschulen, Verlag Freies Geistesleben, 1997

Eine neuere Betrachtung im Zusammenhang mit Montessori- und Freinetpädagogik findet man in

Achim Hellmich und Peter Teigeler (Hrsg.): Montessori-, Freinet-, Waldorfpädagogik. Konzeption und aktuelle Praxis. Beltz Grüne Reihe 1994.

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Heilpädagogik                                                               .

                                                                                                     

Heilpädagogen helfen "schwierigen Fälle" in der Gesellschaft

Sie kümmern sich um Menschen, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt wurden oder die sich selbst von ihrer Umwelt abgekapselt haben:

Heilpädagogen versuchen, die so genannten schwierigen Fälle wieder so gut es geht ins "normale" Alltagsleben einzugliedern.

Heilpädagogik sei "Pädagogik unter erschwerten Bedingungen", sagt Wolfgang van Gulijk, Geschäftsführer des Berufsverbands der Heilpädagogen (BHP) in Kiel, dem rund 4 200 Mitglieder angeschlossen sind. Die Einsatzgebiete erstreckten sich auf verschiedene Bereiche, angefangen von Einrichtungen für geistig behinderte Erwachsene über Kinder- und Jugendheime bis hin zur Arbeit in freien Praxen. Heilpädagogen zählen misshandelte Kinder, auffällig gewordene Jugendliche oder auch Behinderte zum Kreis ihrer Patienten.
Die Tätigkeitsfelder der Heilpädagogen liegen z. B. in:

Frühförderung entwicklungsverzögerter und entwicklungsgefährdeter Kinder

Heilpädagogische Tagesstätten, Heime und Kindergärten

Werkstätten und Wohnheime für Behinderte

Heilpädagogische Familienhilfe

Integrative Einrichtungen

Erziehungsberatungsstellen und andere Beratungsdienste

Psychosoziale Betreuung in Einrichtungen der Altenpflege.

Ausbildungsverlauf

Ausgebildet werden Heilpädagogen zurzeit an der Universität Köln, mehreren Fachhochschulen sowie an Fachschulen oder Akademien. Acht Semester dauert das Studium im Schnitt. "An den Fachschulen laufen die Vollzeit-Kurse eineinhalb bis zwei Jahre oder berufsbegleitend mindestens drei Jahre lang", erklärt van Gulijk. Gemeinsam ist den verschiedenen Ausbildungsgängen, dass die praktische Erfahrung immer eine große Rolle spielt. Wer an einer Fachschule oder -akademie lernen will, muss als Voraussetzung zum Beispiel eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher und mindestens ein Jahr entsprechende berufliche Tätigkeit nachweisen.

Deshalb ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn Heilpädagogen erst im Alter von 30 Jahren oder noch später in ihren Beruf starten. "Es hat schon seinen Sinn, dass man bereits etwas älter ist", weiß Werner Eitle, selbstständiger Heilpädagoge aus Gerstetten-Dettingen (Baden-Württemberg) aus Erfahrung. Gerade für die Arbeit mit verhaltensauffälligen oder geistig behinderten Menschen seien ein gewisser Reifegrad und eine große seelische Stabilität erforderlich. Eitle arbeitete nach seiner Erzieher-Ausbildung zunächst in der Jugend- und Heimerziehung. Bei einem Praktikum in einer Einrichtung für verhaltensauffällige Kinder bekam er dann das Gefühl, "mit seinem Latein am Ende zu sein". Er wollte wissen, wie er den Kindern besser helfen kann und entschloss sich zur Ausbildung zum Heilpädagogen.

Fallbeispiel

Ähnlich kam Doris von dem Knesebeck, selbstständige Heilpädagogin aus Tutzing (Bayern) zu ihrem Beruf. Auch sie hatte irgendwann das Gefühl, mit ihrem Wissen als Erzieherin nicht weiterzukommen und wollte etwas anderes machen. Ihre kleinen Klienten bekommt Doris von dem Knesebeck von Ärzten und Psychiatern überwiesen. Die Bandbreite der Probleme, für die die Heilpädagogin Lösungen zu finden versucht, ist groß. Viele Kinder seien übermäßig aggressiv, andere sehr kontaktscheu. "Es gibt zum Beispiel aber auch ganz normal intelligente Kinder, die unter Sprachverständnisstörungen leiden, also einfach nicht verstehen können, was man ihnen sagt."

Wie die Therapie aussieht, hängt jeweils vom Betroffenen ab. "Weit verbreitet ist beispielsweise die heilpädagogische Spieltherapie, bei der das Kind frei spielt. Dabei zeigen sich Konflikte, werden traumatische Situationen nacherlebt", beschreibt von dem Knesebeck diese Therapieform. Aggressionen oder Kontaktschwierigkeiten dagegen versuche man unter anderem mit so genannten heilpädagogischen Übungen, wie etwa Rollenspielen, zu bewältigen.

Patentrezepte gebe es nicht, oft müssten ganz neue Strategien der Behandlung entwickelt werden. Doch gerade das mache zusammen mit dem ganzheitlichen Ansatz den Reiz ihres Berufes aus. "Als Heilpädagoge arbeitet man nicht nur an den Symptomen, sondern fördert alle Bereiche, bezieht also medizinische, psychologische und pädagogische Aspekte mit ein", erklärt von dem Knesebeck. Dazu gehöre es auch, den Kontakt zu Kindergarten, Hort, Schule und der Familie zu halten.

Berufsaussichten und Vergütung

Die Berufsaussichten für Heilpädagogen seien derzeit gut, es gebe aber große regionale Unterschiede, sagt Wolfgang van Gulijk. Während in den neuen Bundesländern die Zahl der freien Stellen noch sehr klein sei, gebe es in den alten Bundesländern in manchen Regionen sogar ein Überangebot an Jobs. "Zwischen 2 500 und 3 500 Mark netto kann ein 30-Jähriger angelehnt an den Bundesangestelltentarif als Heilpädagoge verdienen", so van Gulijk zu den Verdienstchancen.

Wer sich selbstständig machen will, hat es momentan jedoch schwer. "Teilweise haben wir mit massiven Existenzängsten zu kämpfen", sagt Doris von dem Knesebeck. Jungen Kollegen rät sie daher, möglichst erst ein paar Jahre Berufserfahrung als Angestellte zu suchen. Dann sei man auch viel eher in der Lage, mit schwierigen Situationen zurecht zu kommen. "Je länger man das macht, desto höher ist die Professionalität. Man gewinnt mehr Abstand und lernt, Beruf und Privatleben besser zu trennen", sagt Werner Eible. Ein bequemer Acht-Stunden-Job sei es dennoch bei weitem nicht. Doch trotz Stress und gelegentlicher Krisen - weder Doris von dem Knesebeck noch Werner Eible bereuen ihrer Entscheidung, Heilpädagogen geworden zu sein. Beide können sich "nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu machen".

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